Color Branding – emotionale Farbe für starke Marken

Tausende Jahre menschlicher Entwicklung haben zum gesellschaftlichen Konsens bei der Wahrnehmung von Farben geführt. Daher transportieren bestimmte Farben bestimmte Gefühle! Aber: Welche Farbe passt zu welcher Marke? Welche Emotionen sind mit welcher Farbe verbunden? In diesem Beitrag präsentiere ich Ihnen die wichtigsten Farben mit ihrer Wirkung und den verbundenen Assoziationen.

Die Psychologie der Farbe – europäische Farbsymbolik

Eine kollektive Farbsymbolik ist mit Nuancen innerhalb unseres Kulturkreises allgemein gültig. Deshalb ist die Farbe der perfekte Startpunkt, um ein psychologisch passendes Design für Angebote zu entwerfen. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, werden zunächst warme, kalte und neutrale Farben unterschieden.

Farbkreis nach Johannes Itten, 1961

Warme und kalte Farben

In Kunst, Design und Kommunikation arbeiten wir mit einem Farbkreis aus kalten und warmen Farben. Die Abbildung zeigt zum Beispiel den Farbkreis nach Johannes Itten. Der Schweizer war Maler, Kunsttheoretiker, Kunstpädagoge und lehrender Meister am Bauhaus in Weimar.

Kalte Farben, wie Blau und Grün, transportieren eher ruhige, bewahrende Assoziationen. Dagegen stehen warme Farben, wie Rot, Gelb und Orange für Aktivität und Wärme.

Von dieser Grundtendenz heben sich zwei Farben ab: Violett ist eine ambivalente Farbe, die je nach Rot-/Blauanteil unterschiedliche Qualitäten vermittelt. Und Braun vermittelt statt Aktivität eher Erdverbundenheit und Verlässlichkeit.

Neutrale Farben

Ergänzt wird der warm-kühle Farbkreis mit den „neutralen“ Farben Schwarz, Grau und Weiß. Dabei bedeutet in der Welt des Lichts Schwarz die Abwesenheit jeder Lichtwelle – und Weiß das Zusammenspiel aller Farbspektren.

Schwarz wirkt in Flächen hart und dominierend, für Schrift und feine Elemente bietet es allerdings den optimalen Kontrast für gute Lesbarkeit.

Dagegen wird Weiß oft nicht bewusst als Farbe wahrgenommen, denn analoge und digitale Designs haben häufig einen weissen Hintergrund. Viel Weißraum wird als leicht und offen interpretiert.

„Farben sind die Muttersprache des Unbewussten.“

Carl Gustav Jung (1875–1961), Mediziner und Begründer der Analytischen Psychologie

Überblick: Farben und ihre emotionale Wirkung und Assoziationen

Im europäischen Kulturkreis sind folgende Wirkungen und Interpretationen wirksam:

Rot

wirkt:
stimulierend, aktivierend, aufregend, belebend, anregend, vital, dynamisch

wird assoziert mit:
Liebe, Leidenschaft, Selbstbewusstsein, Dynamik, Vitalität, Kraft, Hitze, Feuer, Blut, Gefahr, Wut, Angst, Agression, Unruhe

Blau

wirkt:
nüchtern, sachlich, vertrauensvoll, verlässlich, kalt, unpersönlich, langweilig

wird assoziert mit:
Wasser, Himmel, Ferne, Sehnsucht, Harmonie, Vertrauen, Treue, Stabilität, Entspannung, Freiheit

Gelb

wirkt:
fröhlich, leicht, aufmunternd, sonnig, luftig, heiter, licht, freundlich, optimistisch

wird assoziert mit:
Sonnenlicht, Energie, Adel, Optimismus, Freude, Wärme, Weite, Offenheit, Kommunikation, Kraft, Erfolg, Glück

Violett

wirkt:
magisch, phantasievoll, kreativ, ambivalent, einfühlsam, würdig, extravagant, launisch

wird assoziert mit:
Luxus, Feierlichkeit, Spiritualität, Würde, Weisheit, Einfallsreichtum, Raffinesse

Grün

wirkt:
natürlich, harmonisch, entspannend, beruhigend, ausgleichend

wird assoziert mit:
Natur, Umwelt, Wachstum, Erneuerung, Vertrauen, Geduld, Hoffnung, Ökologie, Wellness, Harmonie

Orange

wirkt:
freundlich, warm, heiter, aufbauend, ausgeglichen, fröhlich

wird assoziert mit:
Begeisterung, Energie, Freude, Wärme, Exotik, Freude, Lebhaftigkeit,
Ausgelassenheit, Tatkraft, Ausdauer

Braun

wirkt:
freundlich, warm, schützend, schwer, bequemlich, behaglich,  altmodisch, zurückgezogen

wird assoziert mit:
Holz, Natur, Wärme, Verlässlichkeit, Genuss, Sinnlichkeit, Sanftmut

Schwarz

wirkt:
elegant, edel, klassisch, neutral, funktional, dunkel, traurig

wird assoziert mit:
Ruhe, Macht, Tod, Trauer, Finsternis, schwarze Magie, das Böse

Grau

wirkt:
zurückhaltend, nüchtern, formal, emotionslos, langweilig, charakterlos

wird assoziert mit:
Professionalität, Alter, Weisheit, Sachlichkeit, Diskretion, Eintönigkeit

Weiß

wirkt:
sauber, schlicht, neutral, freundlich, hell, kühl, steril, leer

wird assoziert mit:
Licht, Klarheit, Weite, Ordnung, Leichtigkeit, Vollkommenheit, Wahrheit, Unschuld

In drei Schritten zum perfekten Color Branding für Ihre Marke

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Farbe positionieren

Sie nutzen die Assoziationen und Eigenschaften in der Übersicht oben, um darin Ihr Angebots wie gewünscht zu positionieren.

Zum Beispiel: Sie machen sich mit einem Lebensmittelladen selbstständig, der auf Verpackungen verzichtet. Mit den Kernthemen Natur und Ökologie landen Sie im grünen Bereich einen Volltreffer. Denn diese Farbe repräsentiert das Angebot perfekt!

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Markt prüfen

Was ist aber, wenn bereits 5 Mitbewerber mit gleicher Farbe im Markt etabliert sind?

Das ist kein Grund, eine andere Farbe zu wählen! Denn es gibt weitere Merkmale, die das Corporate Design einzigartig und damit unterscheidbar machen. Der Farbton, eine Akzentfarbe, die Bildmarke und die Typografie bieten Möglichkeiten, sich deutlich von den Mitbewerbern zu differenzieren.

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Farbton verfeinern

Die Farbe ist gefunden, entfaltet die gewünschte emotionale Wirkung und weckt nützliche Assoziationen?

Falls es noch nicht perfekt erscheint: Den Farbton können Sie weiterentwickeln oder sogar zu einem Farbklang ausbauen. Dazu eignet sich zum Beispiel ein Online-Tool für die Gestaltung von Farbpaletten, das ich im nächsten Abschnitt vorstelle.

Spielerisch einen Farbton definieren

Ein Online-Tool, um Farbtöne zu verfeinern oder Farbpaletten zu entwerfen, finden Sie bei Adobe Color. Das Tool ist mit der folgenden Abbildung verlinkt.

Abonnenten des Dienstes können die Farben zur Weiterbearbeitung downloaden. Allerdings ist das nicht nötig, wenn Sie sich von den Paletten nur inspirieren lassen möchten. Damit können Sie ein erstes solides Farbfundament für die weitere Ausgestaltung der Marke und des Erscheinungsbildes legen.

Abschließend finden Sie im nächsten Abschnitt ein Beispiel für Farbbranding aus meiner Projektpraxis.

Praxisbeispiel für sinnstiftendes Color Branding

Ein Beispiel für die zielgerichtete Farbwahl aus meiner Praxis: Ein Ingenieurbüro wünschte sich ein neues Markendesign für die energetische Optimierung von Gebäuden. Dabei spielt einerseits Ökologie, andererseits Temperatur eine Rolle. Um das Thema Temperatur zu visualisieren, habe ich die Marke auf einen Kalt-Warm-Kontrast abgestimmt: Orange für Wärme – Blau für Kühle – selbsterklärend im europäischen Kulturkreis.

Haben Sie Fragen zum Thema? Im Kommentarfeld können Sie mir eine Notiz hinterlassen. Weitere Infos zu diesem Projekt finden Sie unter folgendem Link:

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